Grunau Baby IIb D-3637
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Das einsitzige Schulsegelflugzeug Grunau Baby ist der weltweit meist gebaute Segler der 30er und 40er Jahre. Der Entwurf geht auf das von E. Schneider und W. Hirth 1931 gebaute Grundmuster zurück.

Um den Anforderungen des Schulbetriebes zu entsprechen, wurde es besonders robust ausgelegt und sollte billig und einfach nachzubauen sein. Der Name verweist auf Hirths Flugschule im schlesischen Grunau. Das ab 1933 fliegende Baby wurde in den folgenden Jahren ständig verbessert und erhielt einen zusätzlichen Hilfsholm, eine vergrößerte Spannweite, eine verstärkte Flügelbefestigung sowie ab 1938 eine Sturzflugbremse.

Zu seiner großen Verbreitung - auch im Ausland - trugen einige Segelflugrekorde bei, wie z.B. der 36,5 Stunden Dauerflug Kurt Schmidts von 1933 oder Hanna Reitschs Frauen-Streckenflugrekord von 1934. Neben der SG-38 war das Baby das Standardflugzeug der verschiedenen Fluggruppen und der paramilitärischen Pilotenausbildung in den NS-Fliegerkorps.

Auf Baby geschulte Hitlerjugend sollte 1944 - also unmittelbar nach Lehrgangsende - in die Ausbildung auf dem Raketenjäger  Me-163 geschickt werden. Zu diesem späten Zeitpunkt des Krieges hatten diese Maßnahmen jedoch keinen Einfluss mehr auf das Ergebnis der Auseinandersetzung - insbesondere, wegen Materialknappheit und weil die Ausbildung viel zu kurz war.

Nach dem 2. Weltkrieg wurde die Produktion erneut aufgenommen, so dass mit diesen Nachkriegsbauten seit 1933 weltweit 5.000 Grunau Babys entstanden.



Daten im Überblick

Hersteller: Edmund Schneider Segelflugzeugbau,
                Grunau

Besatzung: 1

Kennzeichen: D-3637

Werknummer: 04303

Baujahr: 1944 (Rumpf/TF 1944, HR/QR 1942)

Spannweite: 13,5m

Länge: 6,5m

Höhe: 1,35m

Leergewicht: 170kg

max. Abfluggewicht: 250kg

Höchstgeschwindigkeit: 140km/h

Manövergeschwindigkeit: 90km/h

Gleitzahl: 1:17 bei 55km/h

Unser Baby

Beim Enttuchen wurde ein Prüferstempel vom November 1942 im rechten Querruder entdeckt. Fast alle Einzelteile sind mit dem Stempel ESG3 versehen. Dieser deutet auf Edmund Schneider/ Grunau hin. Wo und wann das Flugzeug im Krieg geflogen ist, ist aus den vorhandenen Unterlagen nicht ersichtlich. Anfang der 50er Jahre tauchte es im Raum Flensburg auf und flog dort etliche Jahre. Dann kam es kurze Zeit in holländischen Besitz, flog jedoch wegen anderer Zulassungsbedingungen in einem deutschen Verein am Niederrhein. Von dort kam es in den Raum Stuttgart und tauchte 1975 in Langenlonsheim auf. Dort flog es dann eine Saison und verschwand in einer Mühle bzw. Scheune.

Jürgen Dellzeit und sein Schwiegervater holten das Grunau Baby im Mai 1981 ab. Es wurde vollständig entlackt und in mühevoller Klein- und Kleinstarbeit repariert und restauriert. Es wurden ca. 800 Stunden Arbeit in der Vereinswerkstatt aufgewandt. An Kosten entstanden bis jetzt ca. 2000,- DM, dazu kommen noch Spenden an Material und Maschinenstunden etlicher hiesiger Firmen. Verantwortlicher Werkstattleiter war Jürgen Schuff, Idar Oberstein/ Poppenhausen.

Nach Abschluss der Restarbeiten und Schlussabnahme kam es Beginn 1983 wieder in die Luft.

In Idar Oberstein war es Brauch dem Flugzeug einen Vogelnamen zu geben. Das erst gebaute Flugzeug nach dem Krieg war ein Doppelraab. Es hatte den Namen Krischel erhalten. Ein Krischel ist eine Falkenart, die in dort in den Felsen nistet. Das Grunau Baby IIb erhielt den Namen Krischel II.

1986 erlitt das Grunau Baby in der linken Tragfläche einen großen Wasserschaden. Aus Zeitgründen wurde das Baby nicht repariert und es verschwand abermals in einer Scheune. Ende 2003 kaufte Sven es von Jürgen ab und brachte es nach Strausberg. Dort wurde es in vierjähriger Arbeit ebenfalls komplett überholt, neu bespannt und lackiert. Siehe auch „Grundüberholung".

Im Frühjahr 2007 kam das Grunau Baby dann endlich wieder in die Luft. Bereits beim dritten Flug konnte Sven einen Streckenflug über 70 km zurücklegen.